S I 1.2009/II. Berlin-Brandenburg (1. Staatsexamen)I

P betreibt ein Unternehmen im Sicherheitsgewerbe. Seit einem halben Jahr mehren sich Einbrüche und Diebstähle in Häusern, die er zu bewachen hat. Dabei fällt ihm auf, dass die Täter stets zwischen zwei „Überwachungsrunden“ seiner Mitarbeiter zugreifen, und während die Eigentümer der Häuser im Urlaub sind. Er hat seinen Mitarbeiter T im Verdacht, die Taten entweder selbst zu begehen oder zumindest zu initiieren. Tatsächlich verkauft T die Informationen an den B, der die Taten daraufhin in Ruhe ausführen und die Ware später einem Hehler verkaufen kann.

Am 09. September melden sich die Eheleute V bei ihrem Sicherheitsunternehmer P. Sie teilen ihm mit, dass sie vom 13. bis 27 September auf einer Reise in Rom sein werden. Ihre Villa sei daher zu bewachen. P will diese Gelegenheit nutzen, die Täter in eine Falle zu locken. Sie sollen wie gewohnt in das Haus eindringen und er will sie beim Verlassen der Räumlichkeiten stellen. P erläuert den V diesen Plan. Sie sind daraufhin insbesondere damit einverstanden, dass die Täter vorübergehend in Besitz ihrer Sachen kommen.

In einer eigens dafür anberaumten Sitzung weist P den T ausdrücklich darauf hin, dass die V im angegebenen Zeitraum im Urlaub sein werden. Er hofft, T würde daraufhin die Tat zumindest initiieren. Tatsächlich hatte T schon vorher von dem Anruf der V erfahren und seinen Plan, die Informationen wie gewohnt an B zu verkaufen, geschmiedet.

Am Abend des 19. September liegt P vor dem Haus der V auf der Lauer. Er hat eine „Parabellum“ bei sich. Nach etwa 10 Minuten zerschlägt eine Gestalt ein Fenster der Villa der V und gelangt sodann in das Haus. P meint, es handele sich um T oder einer seiner Komplizen. Tatsächlich ist aber der K am Werk, der gerade von einem Einbruch beim Nachbar der V kommt. Daher hat K eine Tasche bei sich, in der Schmuck im Wert von ca. 5.000 Euro liegt. Als K gerade nach Wertvollem bei V sucht, erhält er einen Anruf, bei dem ihm mitgeteilt wird, dass seine Tochter verünglückt sei. Daraufhin bricht er seinen Plan ab und verlässt das Haus.

P sieht, wie K aus dem Haus flüchtet. Er verfolgt ihn und ruft ihm zu: „Halten Sie an oder ich schieße!“. K rennt dennoch weiter davon. P verleiht seiner Forderung Nachdruck, indem er einen Warnschuss abgibt. Auch das nützt nichts: K rennt weiter. P erkennt schnell, dass K schneller läuft als er und er ihn daher nicht einholen wird. Ohne den K töten zu wollen, schießt P daher mit seiner „Parabellum“ auf K. Dabei zielt er auf dessen Beine. Tatsächlich wird K am Rücken getroffen und schwer verletzt. P ging davon aus, dass K wertvolle Gegenstände von Vs Haus entwendet hatte. Der Schuss war die letzte Möglichkeit, den K noch zu stoppen.

In der Zwischenzeit rückt B an und gelangt durch das zerstörte Fenster in Vs Haus. P kümmert sich zu diesem Zeitpunkt um K und bekommt von Bs Tat nichts mit. B nimmt wertvollen Schmuck und Silberbesteck mit und verlässt das Haus.

Frage: Wie haben sich B und P wegen der Ereignisse nach dem 09. September nach dem StGB strafbar gemacht? Etwa erforderliche Strafanträge sind gestellt.

Bearbeitervermerk: die „Parabellum“ ist eine Waffe im Sinne des § 1 WaffG.

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One Response to S I 1.2009/II. Berlin-Brandenburg (1. Staatsexamen)I

  1. Diebe, alles Diebe…

    P betreibt ein Unternehmen im Sicherheitsgewerbe, hat aber unzuverlässige Mitarbeiter mit Hang zu Serieneinbrüchen, denen er eine Falle stellen will. (Sachverhalt + Diskussion) Damit kommt man gleich mal zu IIRC[?] vier Versuchtsstrafbarkeitsprüfversuc…

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